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Periduralanästhesie (PDA) – Periradikuläre Therapie (PRT) - invasive Schmerztherapie

Wenn wir zu einer Periduralanästhesie (PDA) oder Periradikulären Therapie raten, sollte der Patient/die Patientin wissen:

Beide Verfahren schalten Schmerzen während ihrer Wirkungsdauer gezielt aus. Unter Umständen lassen sich Schmerzzustände auch längerfristig beeinflussen, z.B. durch Lösen schmerzbedingter Verkrampfungen von Muskeln und/oder Gefäßen und vor allem durch Blockierung des Drucks von Bandscheibengewebe oder eines verengten Wirbelkanals auf Nervenstrukturen/Nervenwurzeln. 

Die Vor- und Nachteile gegenüber der Einnahme von Schmerzmitteln oder der Einspritzung in eine Vene erklären wir im Aufklärungsgespräch. Insbesondere die gezielte Nervenwurzelblockade kann auch dazu dienen, die Schmerzursachen zu erkennen (Diagnostik).

In der Regel sind mehrere Sitzungen erforderlich. Sie werden meist ambulant durchgeführt, d. h. die Patienten können ein bis zwei Stunden nach Beendigung der Anästhesie entlassen werden. Nach der Spinalanästhesie empfiehlt sich eine Bettruhe von sechs Stunden.

 

Vorgehen

Das Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) und/oder ein Schmerzmittel (z.B. Opioid) wird eingespritzt bei der ...

  • Periduralanästhesie in den Periduralraum der Lendenwirbelsäule (lumbale PDA), im Bereich des Kreuzbeins (Kaudalanästhesie) oder im Bereich der Brustwirbelsäule (thorakale PDA).
  • Periradikulären Therapie an die vom Rückenmark abgehende Nervenwurzel der Hals- oder Lendenwirbelsäule.

Die PDA wirkt etwa 15 Minuten nach dem Einspritzen des Betäubungsmittels. Bei Einspritzung im Bereich der Lendenwirbelsäule können Unterleib und Beine bzw. Damm- und Gesäßregion zunächst warm und gefühllos werden. Während der Anästhesie können die Beine möglicherweise nicht oder nur eingeschränkt bewegt werden. Auch das Gefühl für Harnblase und Enddarm kann vorübergehend vermindert bis aufgehoben sein. Die Betäubungsmittel (Anästhetika) wirken eine bis mehrere Stunden. In der Regel ist die Schmerzempfindung solange unterbrochen. Die Wirkung des meist mitgespritzten Cortisonpräparates setzt meist erst nach ein bis vier Tagen ein, hält aber dafür länger an, im Idealfall kann so ein Bandscheibenvorfall ganz ohne Operation zur weitgehenden Rückbildung gebracht werden. Auch bei einem sogenannten engen Wirbelkanal kann die Wirkung sehr lange, d.h. über Monate hinweg andauern. 

Sollen Schmerzzustände über einen längeren Zeitraum ausgeschaltet werden, kann durch die Nadel ein Katheter (dünner Schlauch) eingelegt werden. Nach Entfernen der Nadel werden Betäubungs- oder Schmerzmittel über diesen Katheter nachgespritzt.

Die Lage des Katheters kann durch bildgebende Verfahren (z.B. Röntgen) überprüft werden. Diese Maßnahme erfolgt normalerweise während eines kurzen, stationären Aufenthaltes in einer dafür spezialisierten Klinik.

 

Pumpen und Ports

Der Katheter kann außerhalb des Körpers mit einer stationären lnfusionspumpe verbunden werden. Über die Pumpe werden regelmäßig Schmerzmittel nachgespritzt. Zur ambulanten Behandlung kann eine Einspritzkammer unter die Haut eingepflanzt werden, die mit dem Katheter verbunden wird. Diese Maßnahme erfolgt ebenfalls normalerweise während eines kurzen, stationären Aufenthaltes in einer dafür spezialisierten Klinik.

Die Kammer ...

  • wird für jede Einspritzung erneut punktiert (implantierbarer Port) oder
  • verfügt über ein Medikamentenreservoir und einen Pumpmechanismus, der das Medikament über den Katheter an den Wirkungsort befördert (implantierbare Pumpe) oder
  • ist über eine Hohlnadel mit einer äußeren Pumpe verbunden, die an einem Gürtel getragen oder umgehängt werden kann.

Die Pumpen können vom Arzt so programmiert werden, dass regelmäßig eine individuell auf den Patienten abgestimmte Menge Schmerzmittel eingespritzt wird. Bei manchen Pumpen kann der Patient bei Bedarf auf Knopfdruck selbst eine vorbestimmte Menge zusätzlich spritzen.
 

Mögliche Komplikationen und Nebenwirkungen

Sinkt der Blutdruck während der Anästhesie ab, so lässt sich dies meist schnell beheben. Lebensbedrohende Komplikationen, z.B. Herz-Kreislauf- bzw. Atemstillstand und schwerwiegende Unverträglichkeitsreaktionen sind selbst bei Patienten in hohem Lebensalter, mit schlechtem Allgemeinzustand oder Begleiterkrankungen sehr selten. Stärkere Kopfschmerzen nach der Periduralanästhesie sind selten. Sie können es erfordern, dass Sie mehrere Tage flach liegen müssen. Eine vorübergehende Harnverhaltung kann das Einlegen eines Blasenkatheters notwendig machen.

Eine direkte Verletzung des Rückenmarks ist bei der Spinalanästhesie sowie bei der lumbalen/kaudalen PDA nahezu ausgeschlossen, da das Rückenmark in der Regel oberhalb der lnjektionsstelle endet.

Bleibende Lähmungen (im äußersten Fall Querschnittslähmung) nach Blutergüssen, Entzündungen oder direkten Nervenverletzungen sind extrem selten. Das gleiche gilt für dauernde Verschlechterungen des Hör- oder Sehvermögens und eine Hirnhautentzündung (Meningitis).

In seltenen Fällen halten Schmerzen im Bereich des Kreuzbeins, die nach der kaudalen PDA auftreten können, länger an. Über die Ausbreitung der thorakalen PDA, die weiter reicht, als die der lumbalen, sowie über die spezifischen Risiken dieser Anästhesieform wird Sie der Arzt informieren, wenn Sie in Ihrem Fall in Betracht kommt. Betäubungsmittel und andere Medikamente, die im Rahmen der Anästhesie verwendet werden, können unerwünschte Wirkungen haben. Da diese vor allem bei bestimmten Vorerkrankungen oder Überempfindlichkeiten auftreten, fragen wir in der Anamnese danach. Der Arzt wird die Patienten informieren, wenn es Anhaltspunkte dafür gibt. Werden Opioide, das sind starke Schmerzmittel mit Angriffspunkt an der Schmerzweiterleitung im Gehirn und Rückenmark gegeben, kann es zu Müdigkeit, Verstopfung sowie vereinzelt zu Juckreiz, Harnverhaltung oder Übelkeit kommen. Da in seltenen Fällen noch nach mehreren Stunden Atemstörungen auftreten können, ist eine längere Überwachung erforderlich.

Viele Nebenwirkungen bilden sich bei fortgesetzter Opioidtherapie zurück. Entgegen der Befürchtung vieler Patienten besteht keine Suchtgefahr! Bei Langzeitanwendung kann der im Periduralraum liegende Katheter eine Narbenbildung (Fibrose) verursachen. Es tritt dann weniger Schmerzmittel aus dem Periduralraum in das Nervenwasser über, die Wirkung des Medikaments lässt nach. Eine Dosissteigerung kann dadurch erforderlich werden.

Durch häufige Punktion kann sich die Haut an der Einstichstelle infizieren. Breitet sich die Infektion aus, muss das Kathetersystem entfernt werden. Der Katheter kann verstopfen, vor allem wenn er nicht gespült wird, und er kann abknicken oder seine Lage verändern. Auch in diesen Fällen muss der Katheter entfernt werden. 

Bei auftretenden Kopfschmerzen, Nackensteife, Fieber oder Schüttelfrost sollten Patienten sofort die Ärztin/den Arzt verständigen!

 

Nebeneingriffe

Auch Voruntersuchungen, Vorbehandlungen, begleitende Maßnahmen und eine Nachbehandlung (z.B. Injektionen, Infusionen, Röntgenkontrastaufnahmen, zentraler Venenkatheter) sind nicht frei von Risiken. So können z.B. in Einzelfällen durch Einspritzungen oder Infusionskatheter Infektionen auftreten (z.B. Spritzenabszesse), Nerven und Blutgefäße können verletzt werden (z.B. Venenreizungen, Thrombosen), Gewebe kann absterben (Nekrose).
 

Ambulante Anästhesie

Wegen der Nachwirkungen der Anästhesie, soweit nicht anders angeordnet, frühestens nach 24 Stunden wieder aktiv am Straßenverkehr teilnehmen, an laufenden Maschinen arbeiten oder Alkohol trinken. Sie sollten auch keine wichtigen Entscheidungen treffen. Patienten sollten sich nach Entlassung aus der ärztlichen Überwachung von Angehörigen abholen lassen.

Alle aufgezählten Nebenwirkungen sind sehr selten. Wenn wir zu einer derartigen Therapiemaßnahme raten, können unsere Patienten sicher sein, dass Risiko und Nutzen in einem sehr günstigen Verhältnis stehen und andere Behandlungen höhere Gefahren in sich bergen.

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