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Presseinformationen

07.03.2014

Grundsteinlegung für medizinisches Leuchtturm-Projekt

Für zwei Millionen Euro wird auf dem Krankenhausgelände in Lenglern eine ambulante Wohneinrichtung für beatmungspflichtige Patienten gebaut.

Am Freitag, 7. März 2014, haben Heidrun Bäcker (Bürgermeisterin des Flecken Bovenden), Herr Gudjon Geirsson (Architekt und Vertreter der Projektgesellschaft Lenglern GmbH) und Frank Czeczelski (Kaufmännischer Geschäftsführer des Evangelischen Krankenhauses Göttingen-Weende) den Grundstein für ein zwei Millionen teures Projekt auf dem Krankenhausgelände im Lenglerner Pappelweg gelegt. Hier entsteht bis Ende des Jahres eine ambulante Wohneinrichtung für beatmungspflichtige Patienten.

„Wir freuen uns, dass die Projektgesellschaft Lenglern dieses Bauprojekt, das als Leuchtturm für die Region fungieren soll, auf unserem Gelände in Lenglern realisiert“, sagte Frank Czeczelski. Das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende stellt für dieses Projekt das Grundstück zur Verfügung. Das neue Gebäude wird über zwanzig Wohneinheiten auf zwei Etagen verfügen, die Gesamtfläche beträgt am Ende rund 1.150 Quadratmeter, das Investitionsvolumen schließt die Inneneinrichtung mit ein. „Unser Krankenhaus ist offen für weitere Investoren, die unser Gelände nutzen möchten“, sagte Frank Czeczelski während der Grundsteinlegung. Neue Projekte profitierten vom guten Ruf des Lenglerner Krankenhauses.

Bürgermeisterin Heidrun Bäcker freut sich, dass auf dem Krankenhausgelände weiter investiert wird. „Wir als Gemeinde sind sehr daran interessiert, dass hier weiterhin medizinische Leistungen angeboten werden.“ So werde der Standort Lenglern für die Zukunft gesichert. Bäcker ist froh, dass mit dem Bau Arbeitsplätze geschaffen und neue Dienstleistungen etabliert werden.

Barrierefreies Wohnen für beatmete Patienten

Das Wohnangebot richtet sich insbesondere an Mieter, die künstlich beatmet werden (invasiv und nicht-invasiv) und eine intensive Betreuung bedürfen, dabei aber trotz der mit ihrem Krankheitsbild einhergehenden Einschränkungen weiterhin selbstbestimmt leben und wohnen wollen. Sowohl die individuellen Wohnräume als auch die Gemeinschaftsflächen sind barrierefrei konzipiert und in einem stilvollen, modernen Ambiente gehalten.

Während rund 80 Prozent der beatmungspflichtigen Patienten im Krankenhaus von der maschinellen Beatmung entwöhnt und in ihre eigene Wohnung zurückkehren können, ist dies bei 20 Prozent nicht möglich. Diese Patienten sind auf eine Langzeitbeatmung angewiesen. Hierfür versucht das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende schon seit längerer Zeit eine Einrichtung zu etablieren, um Patienten nach dem Krankenhausaufenthalt besser versorgen zu können. Bislang gibt es in der Region keine adäquate Versorgungsmöglichkeit für diese Patienten nach dem Krankenhausaufenthalt.

Die Überleitung aus dem stationären Krankenhausbereich in die ambulante Versorgung verfolgt zwei Zielrichtungen: Zum einen soll weiterhin durch die Nähe zum klinischen Fachbereich eine schnelle und fachärztliche Versorgung gewährleistet sein. Zum anderen sollen die Mieter darin gestärkt werden, ein trotz der Schwere ihrer Erkrankung möglichst selbstbestimmtes und durch ein hohes Maß an Teilhabe geprägtes Leben zu führen, wie es in einer stationären Versorgung nicht möglich ist. Die Stärkung der Selbstbestimmung und Unabhängigkeit der Mieter wirkt sich wiederum positiv auf deren Heilungsverläufe und Krankheitsbilder aus.

Oberstes Ziel ist die Entwöhnung der Patienten von der maschinellen Beatmung und der Umzug nach Hause. Die neue ambulante Wohneinrichtung in Lenglern soll grundsätzlich als Übergangslösung und Alternative zu einer Versorgung zu Hause dienen. Trotzdem ist es möglich, dass die Bewohner nach erfolgreicher Beatmungsentwöhnung hier wohnen bleiben.

Die Appartements werden mit einer eigenen Nasszelle und kleinen Balkonen ausgestattet. In jeder geplanten Wohngemeinschaft (WG) bietet ein mit der Wohnküche kombinierter, großzügiger Gemeinschaftsraum (62 Quadratmeter) Möglichkeiten zum Kochen und Verweilen oder zu gemeinschaftlichen Aktivitäten wie Besprechungen, Fernseh-/Fußballabende, Versammlungen. Der attraktive, zentral in der jeweiligen WG gelegene Gemeinschaftsraum soll die Kommunikation und gemeinschaftlichen WG-Aktivitäten fördern und so die Gemeinschaft stärken. Jede Etage erhält ein modernes Pflegebadzimmer (15,4 Quadratmeter), Wirtschafträume und Abstellräume sind vorhanden.

Die Vermietung der Wohneinheiten übernimmt exklusiv die Komfort Vermietungsgesellschaft mbH aus Potsdam bei Berlin. Das Unternehmen bietet bundesweit als Vermieter von Spezialimmobilien Wohnraum für Menschen mit einem hohen Grad an Pflegebedürftigkeit an. Derzeit vermietet die Komfort Vermietungsgesellschaft an sieben Standorten in Deutschland Wohnraum an intensivmedizinisch betreute Menschen sowie an einem Standort seniorengerechten Wohnraum als Betreutes Wohnen. Hierbei wird auf eine moderne Ausstattung und hochwertige Infrastruktur für die besonderen Anforderungen der Intensivversorgung Wert gelegt.

Hintergrund

Seit 2011 gibt es in der Abteilung Pneumologie, Beatmungsmedizin/Schlaflabor am Standort Lenglern des Evangelischen Krankenhauses Göttingen ein zertifiziertes Weaning-Zentrum. Auf der Intensivstation mit sechs Betten werden jährlich etwa 125 beatmungspflichtige Patienten für zwei bis drei Wochen versorgt. Das Einzugsgebiet ist sehr groß. Die nächsten Weaning-Zentren sind in Hannover und Kassel.

Als Weaning bezeichnet man die Entwöhnungsphase eines Patienten, der über einen längeren Zeitraum künstlich beatmet wurde. Um Stress und Erschöpfung nach der Langzeitbeatmung zu vermeiden, wird ein Entwöhnungs-Training begonnen, bei dem vor allem die Atemhilfsmuskulatur wieder aufgebaut werden soll.

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